Sic transit gloria mundi

25. August 2011 – 20:19 Thomas Kees (2360x aufgerufen) |

Oder „Es war einmal“: Der CD-ROM-Datenbankserver der SULB

Bibliotheken sind bereits seit geraumer Zeit „hybride“ Veranstaltungen, beschränken sie sich doch zunehmend weniger auf Erwerbung und Ausleihe „analoger“ Papiermaterialien. Digitale Ressourcen machen heute einen guten Teil der Neuzugänge aus, und digital im Jahr 2011 bedeutet: World Wide Web. E-Journals, E-Books und Datenbanken der SULB werden orts- und zeitungebunden ĂĽber das Internet zur VerfĂĽgung gestellt und können somit – bis auf die unrĂĽhmlichen Ausnahmen Juris und Beck-Online – von UdS-Angehörigen auch vom heimischen Arbeitsplatz aus genutzt werden. Kauf oder Miete erfolgen durch die Lizenzierung einer Online-Ressource, die auf einem Server des Anbieters zur VerfĂĽgung gestellt wird.

Dies war nicht immer so. In alter Zeit landeten beim Erwerb einer digitalen Ressource physische Datenträger in der SULB. Disketten in unterschiedlichen Formaten wurden verdrängt von CDs und mittlerweile DVDs, die im Hinblick auf die Benutzung immer schon Probleme aufwarfen. Sicherung, Dauerhaftigkeit, Installationsfähigkeit als Stichworte, die hier nicht näher erörtert werden mĂĽssen. Ein besonderes Augenmerk lag auf den CD-ROM-gestĂĽtzten Fachdatenbanken, die aus urheberrechtlichen GrĂĽnden zwar nicht ausgeliehen, aus Benutzungssicht aber selbstverständlich einem breiteren Kreis zur VerfĂĽgung gestellt werden sollten. „Stand-alone“-Installationen auf einem Bibliothekscomputer waren bereits in den neunziger Jahren nicht mehr das Mittel der Wahl, da netzbasierte Anwendungen (zumindest auf dem Campus) zur VerfĂĽgung gestellt werden sollten, um den Benutzern bei Datenbankrecherchen den Gang zur Bibliothek zu ersparen.

Und so wurde an der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek schon in den neunziger Jahren ein zentraler Server fĂĽr das Hosting von Onlinedatenbanken aufgebaut, der auch ein Angebot fĂĽr Institutsbibliotheken beinhaltete, deren CD-Datenbanken campusweit zu kredenzen. Alte SULB-Kämpen geraten noch immer ins Schwärmen, wenn die Rede auf diese gute alte Zeit kommt, in der es z.B. nach schweren Kämpfen gelang, einem Institut das „Verzeichnis lieferbarer BĂĽcher“, die „Wiso“-Datenbanken oder die „MLA“ netzbasiert zur VerfĂĽgung zu stellen. Technisch bewegte sich dieses Angebot immer zwischen Kampf und Krampf, denn zunächst waren MS-DOS-basierende Novell-Netztreiber zur Mitarbeit zu ĂĽberreden, später musste immerhin noch ein spezielles Zugriffsprogramm (Citrix ICA-Client) installiert werden, um diese – in der Regel – Windows-Datenbanken auf unterschiedlichsten Benutzer-PCs und -MACs zum Laufen zu bringen. Die beiden Datenbankserver der SULB hörten ĂĽbrigens auf die sympathischen Namen „Wurlitzer“, der die CDs anreichte, und „DJ“, der sie auflegte.

Die Zeiten von Wurlitzer und DJ sind nun vorbei, denn CD-ROM-gestĂĽtzte Datenbanken gehören weitgehend der Vergangenheit an. Zwar liefen im Jahr 2010 noch immerhin 941 Recherchestunden auf, doch allein auf den „Grand Robert“ entfiel mit 318 Stunden ein Drittel dieser Nutzung. Auch der „Grand Robert“ wurde nun aber vom Verlag als Online-Datenbankangebot neu aufgelegt und als solches jĂĽngst lizenziert. Und diese Entwicklung ist symptomatisch, verlagern doch beinahe alle Verlage ihre frĂĽher datenträgergestĂĽtzten digitalen Angebote ins Web. Es bleiben die Altressourcen, also die gekauften E-Books, die abgeschlossenen, nicht weiter aktualisierten Datenbanken, die digitalen Zeitschriftenarchive. Kleinvieh, das sprichwörtlich auch Mist macht, allerdings zunehmend weniger Nutzung generiert und den Einsatz der teuren CD-Server nicht länger rechtfertigt. Da im Jahr 2011 die beiden verdienten Server auf’s Altenteil verabschiedet werden mussten, bestand die Notwendigkeit, das bisherige Verfahren einer grundlegenden Neubewertung zu unterziehen.

Ausweg und Neubeginn

Im ersten Halbjahr 2011 standen noch ca. 350 CD-ROM-Installationen auf dem Datenbankserver zur Verfügung, von denen nur ca. 60 im Verlauf dieser sechs Monate länger als fünf Minuten genutzt worden waren. Die Fachreferentinnen und Fachreferenten der SULB haben diese Liste nach fachlichen und nach Nutzungsgesichtspunkten kritisch überprüft und ca. 25 Ressourcen bestimmt, die auch in Zukunft als CD-Angebot zur Verfügung gestellt werden sollen, da sie weiterhin aufgerufen, vom Verlag aber nicht als echte Onlinedatenbank angeboten werden. Da sich der Betrieb eigener Server nicht mehr rentiert, wurde mit dem ReDI-Datenbankdienst ein Partner gefunden, der diese wenigen Datenbanken für die SULB bereitstellt.

Was ändert sich für Sie?

Relativ wenig. Die einzelnen Datenbanken sind nach wie vor im Datenbank-Informationssystem DBIS verzeichnet (⇒ Liste) und können von dort aufgerufen werden. Sie müssen nun nicht mehr den Citrix-Client installieren, da diese Installation automatisch über ein JAVA-Applet erfolgt. Informationen zum Ausdrucken oder Exportieren der Rechercheergebnisse entnehmen Sie bitte den ReDI-Hilfetexten. Nicht länger installierte CD-Anwendungen sind im OPAC der SULB nachgewiesen und können für eine Einzelinstallation bzw. Bereitstellung im Infosaal angefordert werden (⇒ Beispiel). Ausgeliehen werden diese Datenträger nicht.

Und natĂĽrlich: alle CD-ROM-Anwendungen sind aus dem Campusnetz aufzurufen (setzen also zu Hause eine VPN-Verbindung voraus).

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