Welttag des Buches

23. April 2013 – 06:00 schae (1939x aufgerufen) |

Heute ist der Welttag des Buches, ein Aktionstag, der 1995 von der UNESCO eingerichtet wurde und der für das Lesen, für Bücher und für die Kultur des geschriebenen Buches steht. Wie geschaffen also für jeden Bibliothekar und jede Bibliothekarin, die am Anfang ihrer beruflichen Karrieren sicherlich auf die Frage „Warum wollen Sie Bibliothekar/Bibliothakarin werden“ auch mit dem Satz „Weil ich schon immer gerne lese.“ geantwortet haben.
Aber ist das wirklich so? Hat man als Mitarbeiter in einer Bibliothek unendlich Zeit für das liebste Hobby – das Lesen?
Ein Mitarbeiter im Magazin arbeitet zwar inmitten von rund 1,9 Millionen Bücherbänden, aber er kennt sie nur über die Buchnummern (Signaturen), denn jährlich mehr 200.000 bestellte Bücher müssen herausgesucht, bereitgelegt und nach der Rückgabe auch wieder an den richtigen Standort eingestellt werden. Da werden zu Spitzenzeiten pro Tag schon mal 3000-4000 Bände vom und zum Abholregal transportiert.

Eine Mitarbeiterin in der Medienbearbeitung schaut sich bestellte und gelieferte Bücher zwar schon etwas genauer an, aber für sie sind andere Fragen wichtiger:  Wurde das richtige Buch geliefert? Stimmt der Preis der Lieferung mit den Angaben des Verlages überein? Wie ist der Titel in den Katalogen korrekt zu erfassen, damit ihn der Nutzer auch sicher finden? Warum funktioniert der Online-Zugang zu einer abonnierten Zeitschrift momentan nicht? Und-und-und …. rund 20.ooo Bücher im Jahr müssen erst einmal eingearbeitet werden bevor man sie entleihen kann.

Ein Mitarbeiter im Benutzungsbereich versuchtan vorderster Front zu helfen, wo ein Nutzer Hilfe benötigt, beantwortet geduldig Fragen aller Art, gibt Tipps für die Recherche und muss auch mal streng sein, wenn einfache Regeln des Miteinander nicht eingehalten werden. Hier ist also in erster Linie Kommunikationsfähigkeit gefragt – und das Lesen an sich steht außen vor.

Ein Bibliothekar, der liest, ist verloren – so lautet ein weitverbreiteter Sinnspruch. Heißt das Bibliothekare lesen nicht?

Nein, natürlich nicht. Die meisten Bibliothekare und Bibliothekarinnen lieben Bücher und kommen an einem Buchladen in der Regel nicht ohne Weiteres vorbei. Sie müssen sich das Lesen jedoch tagsüber in der Bibliothek verkneifen, denn sonst sind sie verloren und der Nutzer hätte das Nachsehen. Das Lesen muss wie bei den meisten Menschen eben abends im Bett oder sonntags im Sessel oder an einem warmen Tag im Garten auf einer Sommerbank stattfinden.

Und was liest ein Bibliothekar so???

Aus Anlaß des heutigen Aktionstages habe ich mal eine kleine Umfrage gestartet. Nicht alle Bücher sind hier vor Ort, die Kolleginnen und Kollegen durften bewußt ihr persönliches Liebelingsbuch benennen auch wenn es thematisch nicht in den Sammelschwerpunkt dieser Bibliothek passt.

Herausgekommen ist diese kleine Liste persönlicher Empfehlungen aus dem Hause der SULB.

 

Am Welttag des Buches wünschen wir Viel Spaß beim Lesen.

  • Ōe, Kenzaburō: Eine persönliche Erfahrung.   Meine Meinung: In dieser Erzählung mit autobiografischen Zügen beschreibt der Autor den inneren Kampf eines jungen Vaters um die Annahme seines missgestalteten, neugeborenen Sohnes als lebenswertes Leben. Eine beeindruckende Schilderung von einer Lebenssituation wie man sie schon selbst mal erlebt haben könnte und die ich trotz des manchmal ungewohnten Schreibstils einfach „in einem Rutsch“ durchlesen musste. (Signatur: 94-9879)
  • Fournier, Alain: Le grand Meaulnes/ Der große Meaulnes.   Meine Meinung: Der Roman schildert die Suche nach dem verlorenen Glück: dem Liebesglück, dem Lebensglück… François Seurel erzählt die Geschichte seines Freundes – und auch seine eigene – mit der Sehnsucht nach dem romantischen Abenteuer, das tragisch endet. Diese Geschichte rührte mich wie so viele vor mir an. Das Schicksal von Meaulnes bleibt in Erinnerung. (Signatur: 68-4408. 51-3287 und weitere Ausgaben)
  • Müller, Gudrun Maria: Vom Vergnügen, Löcher im Meer zu schwimmen.   Meine Meinung: Kriminalroman von einer saarländischen Autorin, über eine Frau, für die das Schweigen in der Familie zum Alptraum wird. Kein typischer Krimi : ohne Täter, ohne Kommissar, ohne der richtigen Aufklärung der Morde. (Signatur: 2011-4812)
  • Krechel, Ursula: Landgericht.   Meine Meinung: Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2012. Der Roman mit dem doppeldeutigen Titel  „Landgericht“ erzählt von der Rückkehr eines jüdischen Richters aus mehrjährigem Exil nach Deutschland. Aus Opfersicht werden anschaulich die mühsame Eingliederung in die Gesellschaft Nachkriegsdeutschlands und die komplexen Probleme einer Familienzusammenführung geschildert. Der Autorin gelingt es, Fiktives und Dokumentarisches zu einem gut lesbaren Roman zu verweben. (Signatur: 291/306: VERF Krech 1.6:6 5. Aufl.)
  • Osteried, Peter: Im Auftrag Ihrer Majestät.   Meine Meinung: Dies ist ein Prachtband über alle James Bond Filme und die sog. Eurospy Filme der Sechziger Jahre; auf über 600 Seiten werden eine Unmenge an Aushangfotos, Filmplakaten, Hintergrundinfos und vielen Annekdoten geliefert.  Für Film- und Bondfans ein absolutes Muss, gehört in jede Filmbuchsammlung.
  • Klein, Hanns und Eder-Stein, Irmtraut: Regesten zur Geschichte der Stadt Saarbrücken (bis 1545).    Meine Meinung: Das Regestenwerk von über 950 Seiten verzeichnet fast 1.400 Urkunden zur Stadtgeschichte Saarbrückens im Früh-, Hoch- und Spätmittelalter. Für die einen ein Nachschlagewerk, für die anderen ein Schmökerband – in jedem Fall ein Buch mitten aus dem Leben, das dem Leser seine Zeitzeugnisse so minutiös wie generös darbietet und vielfältige kultur-, wirtschafts- wie sprachhistorische Fragen beantwortet: Wie hießen die Saarländer und wie ihre Orte? Welche Konflikte beschäftigten sie, und wie wurden sie geregelt? Welche Tiere wurden gehalten, welche Früchte angebaut? Welche Währungen waren im Umlauf? Welche Grundstücke, Weiderechte, Lehen und sonstige Besitztümer wurden vererbt oder verpachtet, entliehen oder veräußert? Welche familiären Vereinbarungen wurden geschlossen, welche Zugeständnisse und Rechte mit Brief und Siegel vor welchem Landesherrn festgelegt?  Als kleines Beispiel sei hier das Regest vom 9. Februar 1534 zur Lektüre empfohlen, in dem in besonders schöner Rede ein „Leibzucht-Vertrag“ geschlossen wird (siehe S. 593). (Signatur: 2012-8080)
  • Green, John: Das Schicksal ist ein mieser Verräter.   Meine Meinung: eigentlich ein Jugendbuch – und doch Literatur für Alle. Die Geschichte krebskranker Jugendlicher, wie sie leben und lieben, ein bewegendes Buch über das Leben und Sterben – und außerdem: In diesem Roman spielt das Lieblingsbuch der Hauptperson ein große Rolle!
  • Ruge, Eugen: In Zeiten des abnehmenden Lichts.   Meine Meinug: Vor allem die Perspektivenwechsel und die Zeitsprünge machen für mich den Reiz dieses Buches aus. Es ist toll, wie Ruge dem Leser die Gedanken unterschiedlichster Personen verschiedener Generationen nahe bringt. Besonders die Sichtweise der Älteren hat mich dabei fasziniert. (Signatur: 291/306: VERF RugeE 1.6:1 2. Aufl.)
  • Glattauer, Daniel: Alle sieben Wellen. Ein berührender Briefroman.   Meine Meinung: Toll!
  • Hesse, Hermann: Das Glasperlenspiel.   Meine Meinung: Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich dieser Roman bewegt, er ist als Summe seines Werks Ausdruck von Hesses humaner Gesinnung und seinem Kunstsinn.
  • Gavalda, Anna: Zusammen ist man weniger allein.    Meine Meinung: Zusammen ist man weniger allein ist eine Art moderner Variante von Goethes Wahlverwandtschaften, wobei nie so ganz sicher ist, ob die Chemie zwischen den Figuren stimmt, und eigentlich auch ohne Wahl. Aber es ist nicht nur dicker, sondern auch etwas fröhlicher und glücklicher als Gavaldas frühere Bücher. Und das tut der Geschichte keinen Abbruch — ganz im Gegenteil. Überaus vergnüglich, witzig, und nur manchmal traurig.
  • Kuttner, Sarah: Mängelexemplar. Meine Meinung:   Bei der überdrehten Ich-Erzählerin Karo handelt es sich um eine clevere junge Großstädterin, deren Leben auf der Überholspur verläuft, bis sie durch den Verlust des Arbeitsplatzes und das Scheitern einer Beziehung aus der Bahn geworfen wird. Eine Depression und Panikattacken sind die Folgen.
  • Tolstoj, Leo: Anna Karenina.    Meine Meinung: Ein schönes Beispiel für ein Buch, das man in jeder neuen Lebensphase wieder lesen und immer wieder neu erleben kann. (Signatur: Band 1: 67-406:6; Band 2: 67-406:7)
  • Kaléko, Mascha: In meinen Träumen läutet es Sturm.   Meine Meinung: Eine „Gebrauchspoesie“ vom Alltag für den Alltag, alle Lebenslagen berührend, gegenwartsnah, voller Ironie und doch auch Gefühl.
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