Welttag des Buches

23. April 2013 – 06:00 schae (1885x aufgerufen) |

Heute ist der Welttag des Buches, ein Aktionstag, der 1995 von der UNESCO eingerichtet wurde und der f├╝r das Lesen, f├╝r B├╝cher und f├╝r die Kultur des geschriebenen Buches steht. Wie geschaffen also f├╝r jeden Bibliothekar und jede Bibliothekarin, die am Anfang ihrer beruflichen Karrieren sicherlich auf die Frage „Warum wollen Sie Bibliothekar/Bibliothakarin werden“ auch mit dem Satz „Weil ich schon immer gerne lese.“ geantwortet haben.
Aber ist das wirklich so? Hat man als Mitarbeiter in einer Bibliothek unendlich Zeit f├╝r das liebste Hobby – das Lesen?
Ein Mitarbeiter im Magazin arbeitet zwar inmitten von rund 1,9 Millionen B├╝cherb├Ąnden, aber er kennt sie nur ├╝ber die Buchnummern (Signaturen), denn j├Ąhrlich mehr 200.000 bestellte B├╝cher m├╝ssen herausgesucht, bereitgelegt und nach der R├╝ckgabe auch wieder an den richtigen Standort eingestellt werden. Da werden zu Spitzenzeiten pro Tag schon mal 3000-4000 B├Ąnde vom und zum Abholregal transportiert.

Eine Mitarbeiterin in der Medienbearbeitung schaut sich bestellte und gelieferte B├╝cher zwar schon etwas genauer an, aber f├╝r sie sind andere Fragen wichtiger:┬á Wurde das richtige Buch geliefert? Stimmt der Preis der Lieferung mit den Angaben des Verlages ├╝berein? Wie ist der Titel in den Katalogen korrekt zu erfassen, damit ihn der Nutzer auch sicher finden? Warum funktioniert der Online-Zugang zu einer abonnierten Zeitschrift momentan nicht? Und-und-und …. rund 20.ooo B├╝cher im Jahr m├╝ssen erst einmal eingearbeitet werden bevor man sie entleihen kann.

Ein Mitarbeiter im Benutzungsbereich versuchtan vorderster Front zu helfen, wo ein Nutzer Hilfe ben├Âtigt, beantwortet geduldig Fragen aller Art, gibt Tipps f├╝r die Recherche und muss auch mal streng sein, wenn einfache Regeln des Miteinander nicht eingehalten werden. Hier ist also in erster Linie Kommunikationsf├Ąhigkeit gefragt – und das Lesen an sich steht au├čen vor.

Ein Bibliothekar, der liest, ist verloren – so lautet ein weitverbreiteter Sinnspruch. Hei├čt das Bibliothekare lesen nicht?

Nein, nat├╝rlich nicht. Die meisten Bibliothekare und Bibliothekarinnen lieben B├╝cher und kommen an einem Buchladen in der Regel nicht ohne Weiteres vorbei. Sie m├╝ssen sich das Lesen jedoch tags├╝ber in der Bibliothek verkneifen, denn sonst sind sie verloren und der Nutzer h├Ątte das Nachsehen. Das Lesen muss wie bei den meisten Menschen eben abends im Bett oder sonntags im Sessel oder an einem warmen Tag im Garten auf einer Sommerbank stattfinden.

Und was liest ein Bibliothekar so???

Aus Anla├č des heutigen Aktionstages habe ich mal eine kleine Umfrage gestartet. Nicht alle B├╝cher sind hier vor Ort, die Kolleginnen und Kollegen durften bewu├čt ihr pers├Ânliches Liebelingsbuch benennen auch wenn es thematisch nicht in den Sammelschwerpunkt dieser Bibliothek passt.

Herausgekommen ist diese kleine Liste pers├Ânlicher Empfehlungen aus dem Hause der SULB.

 

Am Welttag des Buches w├╝nschen wir Viel Spa├č beim Lesen.

  • ┼îe, Kenzabur┼Ź: Eine pers├Ânliche Erfahrung.┬á┬á Meine Meinung: In dieser Erz├Ąhlung mit autobiografischen Z├╝gen beschreibt der Autor den inneren Kampf eines jungen Vaters um die Annahme seines missgestalteten, neugeborenen Sohnes als lebenswertes Leben. Eine beeindruckende Schilderung von einer Lebenssituation wie man sie schon selbst mal erlebt haben k├Ânnte und die ich trotz des manchmal ungewohnten Schreibstils einfach „in einem Rutsch“ durchlesen musste. (Signatur: 94-9879)
  • Fournier, Alain: Le grand Meaulnes/ Der gro├če Meaulnes.┬á┬á Meine Meinung: Der Roman schildert die Suche nach dem verlorenen Gl├╝ck: dem Liebesgl├╝ck, dem Lebensgl├╝ckÔÇŽ Fran├žois Seurel erz├Ąhlt die Geschichte seines Freundes ÔÇô und auch seine eigene – mit der Sehnsucht nach dem romantischen Abenteuer, das tragisch endet. Diese Geschichte r├╝hrte mich wie so viele vor mir an. Das Schicksal von Meaulnes bleibt in Erinnerung. (Signatur: 68-4408. 51-3287 und weitere Ausgaben)
  • M├╝ller, Gudrun Maria: Vom Vergn├╝gen, L├Âcher im Meer zu schwimmen.┬á┬á Meine Meinung: Kriminalroman von einer saarl├Ąndischen Autorin, ├╝ber eine Frau, f├╝r die das Schweigen in der Familie zum Alptraum wird. Kein typischer Krimi : ohne T├Ąter, ohne Kommissar, ohne der richtigen Aufkl├Ąrung der Morde. (Signatur: 2011-4812)
  • Krechel, Ursula: Landgericht.┬á┬á Meine Meinung: Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2012. Der Roman mit dem doppeldeutigen Titel┬á „Landgericht“ erz├Ąhlt von der R├╝ckkehr eines j├╝dischen Richters aus mehrj├Ąhrigem Exil nach Deutschland. Aus Opfersicht werden anschaulich die m├╝hsame Eingliederung in die Gesellschaft Nachkriegsdeutschlands und die komplexen Probleme einer Familienzusammenf├╝hrung geschildert. Der Autorin gelingt es, Fiktives und Dokumentarisches zu einem gut lesbaren Roman zu verweben. (Signatur: 291/306: VERF Krech 1.6:6 5. Aufl.)
  • Osteried, Peter: Im Auftrag Ihrer Majest├Ąt.┬á┬á Meine Meinung: Dies ist ein Prachtband ├╝ber alle James Bond Filme und die sog. Eurospy Filme der Sechziger Jahre; auf ├╝ber 600 Seiten werden eine Unmenge an Aushangfotos, Filmplakaten, Hintergrundinfos und vielen Annekdoten geliefert.┬á F├╝r Film- und Bondfans ein absolutes Muss, geh├Ârt in jede Filmbuchsammlung.
  • Klein, Hanns und Eder-Stein, Irmtraut: Regesten zur Geschichte der Stadt Saarbr├╝cken (bis 1545).┬á┬á┬á Meine Meinung: Das Regestenwerk von ├╝ber 950 Seiten verzeichnet fast 1.400 Urkunden zur Stadtgeschichte Saarbr├╝ckens im Fr├╝h-, Hoch- und Sp├Ątmittelalter. F├╝r die einen ein Nachschlagewerk, f├╝r die anderen ein Schm├Âkerband – in jedem Fall ein Buch mitten aus dem Leben, das dem Leser seine Zeitzeugnisse so minuti├Âs wie gener├Âs darbietet und vielf├Ąltige kultur-, wirtschafts- wie sprachhistorische Fragen beantwortet: Wie hie├čen die Saarl├Ąnder und wie ihre Orte? Welche Konflikte besch├Ąftigten sie, und wie wurden sie geregelt? Welche Tiere wurden gehalten, welche Fr├╝chte angebaut? Welche W├Ąhrungen waren im Umlauf? Welche Grundst├╝cke, Weiderechte, Lehen und sonstige Besitzt├╝mer wurden vererbt oder verpachtet, entliehen oder ver├Ąu├čert? Welche famili├Ąren Vereinbarungen wurden geschlossen, welche Zugest├Ąndnisse und Rechte mit Brief und Siegel vor welchem Landesherrn festgelegt?┬á Als kleines Beispiel sei hier das Regest vom 9. Februar 1534 zur Lekt├╝re empfohlen, in dem in besonders sch├Âner Rede ein „Leibzucht-Vertrag“ geschlossen wird (siehe S. 593). (Signatur: 2012-8080)
  • Green, John: Das Schicksal ist ein mieser Verr├Ąter.┬á┬á Meine Meinung: eigentlich ein Jugendbuch – und doch Literatur f├╝r Alle. Die Geschichte krebskranker Jugendlicher, wie sie leben und lieben, ein bewegendes Buch ├╝ber das Leben und Sterben – und au├čerdem: In diesem Roman spielt das Lieblingsbuch der Hauptperson ein gro├če Rolle!
  • Ruge, Eugen: In Zeiten des abnehmenden Lichts.┬á┬á Meine Meinug: Vor allem die Perspektivenwechsel und die Zeitspr├╝nge machen f├╝r mich den Reiz dieses Buches aus. Es ist toll, wie Ruge dem Leser die Gedanken unterschiedlichster Personen verschiedener Generationen nahe bringt. Besonders die Sichtweise der ├älteren hat mich dabei fasziniert. (Signatur: 291/306: VERF RugeE 1.6:1 2. Aufl.)
  • Glattauer, Daniel: Alle sieben Wellen. Ein ber├╝hrender Briefroman.┬á┬á Meine Meinung: Toll!
  • Hesse, Hermann: Das Glasperlenspiel.┬á┬á Meine Meinung: Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich dieser Roman bewegt, er ist als Summe seines Werks Ausdruck von Hesses humaner Gesinnung und seinem Kunstsinn.
  • Gavalda, Anna: Zusammen ist man weniger allein.┬á┬á┬á Meine Meinung: Zusammen ist man weniger allein ist eine Art moderner Variante von Goethes Wahlverwandtschaften, wobei nie so ganz sicher ist, ob die Chemie zwischen den Figuren stimmt, und eigentlich auch ohne Wahl. Aber es ist nicht nur dicker, sondern auch etwas fr├Âhlicher und gl├╝cklicher als Gavaldas fr├╝here B├╝cher. Und das tut der Geschichte keinen Abbruch — ganz im Gegenteil. ├ťberaus vergn├╝glich, witzig, und nur manchmal traurig.
  • Kuttner, Sarah: M├Ąngelexemplar. Meine Meinung:┬á┬á Bei der ├╝berdrehten Ich-Erz├Ąhlerin Karo handelt es sich um eine clevere junge Gro├čst├Ądterin, deren Leben auf der ├ťberholspur verl├Ąuft, bis sie durch den Verlust des Arbeitsplatzes und das Scheitern einer Beziehung aus der Bahn geworfen wird. Eine Depression und Panikattacken sind die Folgen.
  • Tolstoj, Leo: Anna Karenina.┬á┬á┬á Meine Meinung: Ein sch├Ânes Beispiel f├╝r ein Buch, das man in jeder neuen Lebensphase wieder lesen und immer wieder neu erleben kann. (Signatur: Band 1: 67-406:6; Band 2: 67-406:7)
  • Kal├ęko, Mascha: In meinen Tr├Ąumen l├Ąutet es Sturm.┬á┬á Meine Meinung: Eine „Gebrauchspoesie“ vom Alltag f├╝r den Alltag, alle Lebenslagen ber├╝hrend, gegenwartsnah, voller Ironie und doch auch Gef├╝hl.
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