De Gruyter in Geberlaune: gesamter E-Book- und E-Journalbestand von Oldenbourg und Akademie im August 2013 kostenlos erhältlich

7. August 2013 – 10:41 tk (29634x aufgerufen) |

Update 3. September 2013: Aktion abgeschlossen, s.u.

Zum de Gruyter-Portal

Anfang des Jahres 2013 hat der Walter de Gruyter Verlag die beiden hoch renommierten Fachverlage „Oldenbourg Wissenschaftsverlag“ und „Akademie Verlag“ erworben und steht gerade im Begriff, die lieferbare Produktion als elektronische Ressourcen in die de Gruyter-Plattform zu integrieren. Die beiden „Marken“ Oldenbourg und Akademie bleiben dabei als sog. Verlagsimprints mit eigenem Profil bestehen. Der in Fachkreisen nicht unbedingt für eine zurückhaltende Preisgestaltung bekannte de Gruyter-Verlag hat sich nun als Einstiegsgeschenk etwas tatsächlich ganz besonderes einfallen lassen: für den Monat August 2013 werden alle lieferbaren Publikationen der beiden Neuzugänge kostenlos online zur Verfügung gestellt, und dies, de Gruyter-typisch, ohne nennenswerte Beschränkung der elektronischen Dokumente durch ein digitales Rechtemanagement, mit dem die Konkurrenz so gerne ihre digitalen Produkte vernagelt.

 

Das bedeutet für Sie: sowohl vom Campus der Universität als auch unauthentifiziert von zu Hause aus können Sie bis zum 31. August alle Oldenbourg- und Akademietitel betrachten und auch kapitelweise herunterladen. Die einzelnen Downloads, die von sich geduldigen Menschen durchaus zu einem gesamten Buch zusammensetzen lassen, erhalten am Fuß jeder Seite lediglich einen Vermerk mit der IP-Adresse des Anfragenden und den Zeitpunkt der Abspeicherung. Im Campusbereich wird hier auch die „Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek“ als erkannter Kunde der Plattform mit untergebracht. Da sich diese Vermerke von noch geduldigeren Menschen mit jedem handelsüblichen PDF-Editor auch wieder entfernen lassen, bestehen Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses doch etwas störenden Eintrags, der sicher nicht dazu geeignet ist, durch Herkunftskontrolle einem „Streuverlust“ wirksam vorzubeugen.

Und bevor es jetzt (zu) negativ wird (denn das Vorgehen des Verlags begeistert auch den Blogschreiber, man denke nur an die wochenlang kostenlos zur Verfügung gestellten Oldenbourg-Grundrisse der Geschichte etc.), erhalten ungeduldige Menschen endlich die Zugangsadresse:

Kostenlose Oldenbourg- und Akademie-E-Books und E-Journals

 

(Geduldige und an Kritik interessierte Menschen lesen hier weiter):

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul…
… und angesichts dieses außerordentlich generösen Angebots des Verlags muss jeder (technische) Einwand und jede Kritik kleinlich wirken. Und dennoch: zwei Anmerkungen seien erlaubt (zumal alles ab dem 1. September 2013 wieder Geld kosten wird):

  • Auf der Plattform erscheinen die E-Books unter dem Erstellungsdatum der elektronischen Ressource, nicht dem Veröffentlichungsdatum des zu Grunde liegenden Texts (de Gruyter bezeichnet dies als „Erscheinungsdatum“). Auch die Eingrenzung auf aktuelle Zeitscheiben fördert diese älteren  Werke zu Tage, was durchaus zu Verwirrung führen kann. So stammt z.B. Kai von Jenas „Polnische Ostpolitik nach dem Ersten Weltkrieg“ nicht aus dem Jahr 2010, sondern aus dem Jahr 1980, und sie wurde mitnichten für die elektronische Form aktualisiert. Die Scanvorlage enthält sogar handschriftliche Notizen auf der Haupttitelseite. Unschön, und man fragt sich, gab’s denn keine saubere Vorlage?
  • Die – wie bereits positiv vermerkt – offenen PDF-Dokumente sind von durchaus unterschiedlicher Qualität. Bei den neueren Veröffentlichungen wurde die PDF-Datei auf der Grundlage eines elektronischen Textes (im Textsatz- oder Textverarbeitungsprogramm) erstellt. Vorteil: eine saubere Darstellung, eingebettete Schriften, Suche und Copy/Paste ohne Probleme, da der hinterlegte Text und die Anzeige im PDF-Betrachter identisch sind. Bei einem großen Teil der (nicht nur) älteren Werke wurde das Buch allerdings gescannt und der Text mittels technischer Erkennungsverfahren (OCR = Optical Character Recognition) bearbeitet. Dieses Vorgehen ist durchaus statthaft, wenn von älteren Werken keine elektronische Ausgangsform mehr vorliegt. Warum aber auch aktuellere Publikationen erst über den Scanner gezogen und dann Text-erkannt wurden, ist schlicht nicht nachzuvollziehen. Wer den Anfang der „Einführung“ des u.a. von den Saarbrücker Historikern Rainer Hudemann und Clemens Zimmermann herausgegebenen dreibändigen Werkes „Medienlandschaft Saar“ markiert und – zum sauberen Zitieren – in ein anderes Dokument einfügt, erhält folgendes Textgeschwurbel:

     

    „Wereinebens oumfang-wiefacettenreiche sWerküberdie„MedienlandschaftSaar“seit1945vorlegt,stehtunterBegründungszwang:Immerhi nassoziiertdieseMetapherdieExistenzeinergewissenVielfaltundgleichzeitig Unterscheidbarkeit.TatsächlichistsiegeradeinhistorischerPerspektivefü r dasSaarlandtreffend .“

     

    Das ist so ziemlich die schlimmste OCR-Erkennung, die der Verfasser dieser Zeilen je gesehen hat, und man fragt sich: gab’s denn keine saubere Vorlage? Oder besser: warum erstellt man solche Bücher nicht aus der elektronischen Vorlage, denn im Jahr 2010 wurde sicher auch im Saarland nicht mehr mit dem Gänsekiel geschrieben. Noch verrückter traf es Peter Blickle, dessen 3. Auflage seiner „Unruhen in der ständischen Gesellschaft“ bis S. 109 nur gescannt, nicht einmal einem Texterkennungsverfahren unterzogen wurde, um dann ab Mitte der Seite 109 in blitzsauberem nativem PDF dazustehen. Ab S. 132, dem Quellen- und Literaturverzeichnis, sinkt man dagegen wieder ins graphische Elend. Suchen und Kopieren Fehlanzeige. Wurde hier mit heißer Nadel gestrickt? Zweifellos. Sollte der Verlag bei einem Buch, das als E-Book regulär € 198,00 kosten soll und wird, dringend nachbessern? Zweifellos auch. Und nicht nur bei diesem…

Update September 2013

Die Aktion ist abgeschlossen. Bis auf einen kurzzeitigen Aussetzer zur Mitte des Monats, in dessen Verlauf es zu Downloadproblemen kam, hat alles wunderbar funktioniert, und der erfolgreiche Lasttest lässt darauf hoffen, dass die de Gruyter-Plattform auch dem zukünftigen Ansturm gewachsen sein wird.

Abbitte leisten müssen wir in einem Fall. Die als unsauber geziehene OCR ist so unsauber nicht, denn der Bandwurmsalat erscheint nur beim Einfügen in PDF-Betrachter des recht verbreiteten Anbieters Foxitsoftware. Platzhirsch Adobe (und andere alternative PDF-Viewer, z.B. PDF-Exchange-Viewer) übergeben die Textinhalte korrekt an die Zwischenablage und damit an Textwerkzeuge. Die Kritik am OCR-Text wird daher (partiell) zurückgenommen, die Kritik an der Uneinheitlichkeit der Aufarbeitung (und v.a. dem teilweise fehlenden Texthintergrund) bleibt dagegen bestehen.

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