„Open Access: Anpacken!“ – eine Informationsveranstaltung an der Universität des Saarlandes

17. Oktober 2017 – 10:43 Ulrich Herb (1050x aufgerufen) |

Der Boykott des Verlags Elsevier schreckt die deutsche Wissenschaft auf. Angeführt von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) kündigten mittlerweile mehr als 180 Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihre Verträge mit dem größten Anbieter wissenschaftlicher Zeitschriften. Dieser Boykott wird durch namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützt, die von ihren herausgeberischen Tätigkeiten für den Verlag Elsevier zurücktraten – unter Ihnen auch Prof. Dr. Kurt Mehlhorn, Direktor des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken.

Die vom Projekt DEAL organisierte Verweigerung hat zwei Ziele: Zum einen sollen für deutsche Einrichtungen die Kosten für Elsevier-Publikationen reduziert werden, zum anderen sollen Publikationen der Angehörigen deutscher Forschungseinrichtungen Open Access verfügbar sein. Mit anderen Worten: jedermann – egal ob Wissenschaftler oder Laie, egal an welchem Ort – soll diese Artikel kostenlos lesen können. Von diesem entgeltfreien Zugang verspricht man sich eine weitere Verbreitung wissenschaftlicher Informationen und eine Beschleunigung der Forschung. Dass Open Access diese Versprechen halten kann, beweisen Studien, wonach Open-Access-Dokumente häufiger zitiert werden als Closed-Access-Dokumente, deren Nutzung für Leser kostenpflichtig ist.

Für Wissenschaftler ist Open Access eine Gratwanderung: Unterstützt eine Hochschule DEAL, verlangt sie Wissenschaftlern den Verzicht auf wichtige Informationsquellen ab. Auch andere Varianten, Open Access zu fördern, erfordern ein Anpacken der Wissenschaftler und sind mitunter unbequem: Publizieren sie bereits erschienene und kostenpflichtig erhältliche Werke zusätzlich Open Access müssen sie rechtliche Fallstricke beachten. Veröffentlichen sie bei einem Open-Access-Verlag statt bei einem eingesessenen Closed-Access-Verlag, müssen sie auf dessen Renommee verleihende Marke verzichten. Auch finanzielle Fragen tun sich auf: Zirka 30 % der Open-Access-Journale sind zwar entgeltfrei nutzbar, verlangen jedoch für das Publizieren eines Artikels Gebühren.

Ungeachtet dieser Unwägbarkeiten existieren sehr gute Argumente für Open Access: Wer Open Access veröffentlicht, wird nicht nur häufiger zitiert, er behält zumeist auch die rechtliche Hoheit über seine Werke. Zudem geht er konform mit den von zahlreichen Forschungsförderern propagierten Zielvorgaben: Der Europäische Rat für Wettbewerbsfähigkeit fordert freie Zugänglichkeit für alle Publikationen zu Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschungsarbeiten ab 2020. Die Helmholtz-Gemeinschaft erklärte, bis 2020 mindestens 60 % der Publikationen Open Access verfügbar zu machen, bis 2025 gar 100 %. Auch die Fraunhofer-Gesellschaft strebt bis 2020 an, die Hälfte ihrer Publikationen Open Access bereitzustellen.

Open Access hat zahlreiche Schattierungen und Aspekte, möglichst viele davon werden bei einer Informationsveranstaltung an der Universität des Saarlandes diskutiert. Die Veranstaltung trägt den Titel: „Open Access: Anpacken!“ und findet im Rahmen der jählichen Open Access Woche statt. Geplant sind Vorträge zum Elsevier-Boykott und DEAL-Projekt sowie zur Handhabung von Open-Access-Publikationsgebühren. Zusätzlich informiert die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek über die Open-Access-Angebote der Universität.

 

Hier die Daten zur Veranstaltung:

  • Veranstaltungsdatum ist der 26.10.2017 von 09:30 bis cirka 12:00 Uhr.
  • Veranstaltungsort ist das Gebäude C9 3 der Universität des Saarlandes.
  • Veranstalterin ist die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, die um eine formlose und nicht-verpflichtende Anmeldung bittet.
  • Ansprechpartner für Anmeldungen und Fragen zur Veranstaltung sind Dr. Ulrich Herb (Telefon 0681 302 2798, Email: u.herb@sulb.uni-saarland.de) oder Frau Wohlleben (Telefon 0681 302 58024).
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