Saarbrücker Zeitung nun als E-Paper im Infosaal der SULB

24. Februar 2018 – 11:33 Thomas Kees (622x aufgerufen) |

Am 4. Januar 2016 meldeten wir eine von der SULB lange angestrebte Neuerung im saarländischen Mediengesetz: den Wechsel von der früheren (und bei reger Nutzung durchaus kostenintensiven) entschädigungsfähigen Anbietungspflicht zur – in der Regel – kostenfreien Ablieferungspflicht für „körperliche“ und „unkörperliche“, d.h. digitale im Saarland entstandene Publikationen an die Landesbibliothek. Nun sammelt die SULB bereits seit geraumer Zeit und unabhängig von der Rechtsgrundlage sog. Saarlandica in Papierform und auch als elektronische Ressourcen, die neben der Katalogverzeichnung auch in der Saarländischen Bibliographie in der Tiefe erschlossen werden.

Eine Perle der Landespublikationen blieb allerdings bisher in einer durch Urheberrecht und verständliches kommerzielles Verwertungsinteresse des Rechteinhabers undurchdringlich verschlossenen Muschelschale verborgen: die Saarbrücker Zeitung, das wichtigste Presseorgan dieses Landes. Nun, ganz im Verborgenen schlummerte diese Zeitung nicht, denn der Volltext der SZ wird seit einigen Jahren für den Veröffentlichungszeitraum seit 1993 von der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fachdatenbank WiSo ausgewertet und im IP-Bereich des Campus von der SULB angeboten. Leider aber oft, bei älteren Ausgaben sogar immer auf den reinen Volltext beschränkt, d.h. ohne graphische Illustrationen und Bilder und daher ohne das originale Erscheinungsbild der Druckausgabe angeboten. Manche Fragen, etwa die nach der Platzierung und Aufmachung einer Meldung, sind mit dieser reinen Wiedergabe des Volltextes somit nicht zu beantworten.

Immer blieb natürlich der Blick auf’s Papier als Ultima Ratio, denn selbstverständlich sammelte und sammelt die SULB alle Ausgaben dieses Regionalblatts. Allerdings stellt die Benutzung der voluminösen Zeitungsbände nicht nur eine gewisse Herausforderung für die Wirbelsäulen der Magazinkolleg*innen bei der Aushebung dar, das Papier erschwert vor allem immens die systematische Auswertung ganzer Jahrgänge und die Reproduktion einzelner Seiten, die durch umständliche formularbasierte Bestellung und anschließende Ausgabe über die Fotostelle geregelt werden musste. Diesen Widrigkeiten stand dann allerdings die vielbeschworene „haptische Erfahrung“ des stundenlangen Blätterns im raschelnden Zeitungspapier gegenüber, die digital-abstinente Zeitgenossen gerne gegen die Digitalisierung aller Lebensbereiche ins Feld führen.

Wie dem auch sei: auch die Saarbrücker Zeitung steht jetzt, nach einem ca. vier Jahre andauernden Projekt zwischen der Deutschen Nationalbibliothek und einem Großteil der deutschen Landesbibliotheken, dessen urheberrechtliche, technische und bibliothekspolitische Hürden wir Ihnen an dieser Stelle ersparen möchten, im Infosaal der SULB in seitengenauer digitaler Anzeige im PDF-Format zur Verfügung. Aber: keine Rose ohne Dornen, denn die verschwiegenen Hürden haben natürlich (negative) Auswirkungen auf die Benutzbarkeit der neuen E-Ressource:

    • Dorne 1: gezeigt wird das Digitale Objekt der Nationalbibliothek, das in einem aufwändigen Verschlüsselungsverfahren in den Infosaal der SULB zurückgespielt wird („Regionalfenster“). Dies zieht leider längere Ladezeiten nach sich, die wir aber für akzeptabel halten,
    • Dorne 2: die Suchen erstrecken sich nur auf die jeweils aufgerufene Ausgabe, nicht auf einen evtl. vorliegenden Gesamttextkorpus, der eben nicht vorliegt und – sollten die Vorgaben der Zeitungsverlage bestehen bleiben – auch nicht vorliegen wird. Hier kann die SULB durch die Lizenzierung der WiSo-Datenbank (s.o.) aushelfen. Die in WiSo gefundenen und als Volltext auch angezeigten Fundstellen können in der PDF-Ausgabe gezielt aufgesucht und überprüft werden. Die neue PDF-Version bietet dagegen wiederum eine von einer Volltextdatenbank nicht zu gewährleistende, aber gerade für Zeitungen notwendige Auswertungsform: das Blättern (und „Browsen“),
    • Dorne 3: „gedruckt“ werden können nur Einzelseiten, keine Seitenbereiche, wobei diese Seite Ihnen als PDF-Export zur Mitnahme auf einem USB-Datenträger zur Verfügung gestellt wird. Wollen Sie also viele Seiten mitnehmen, müssen Sie auch viele Seiten ausgeben… eine Beschränkung auf z.B. Sessions oder Log-Ins gibt es aber nicht. Wer viel klickt, erhält auch viel SZ. Hier spielen allenfalls die Öffnungszeiten der Zentralbibliothek (bis 21 Uhr) eine Rolle.
    • Dorne 4: es existiert ein kurzes „Embargo“ von einer Woche, das dazu dient, das kommerzielle E-Paper-Angebot der Verlage nicht zu gefährden oder, wie es an dieser Stelle meist ausgedrückt wird, zu „kannibalisieren“. Die neuesten Ausgaben der SZ können also zunächst noch nicht digital eingesehen werden,
    • Dorne 5 (die größte und pieksigste): diese PDF-Ausgaben werden nur für die Zeiträume angeboten, in denen das neue Pflichtablieferungsrecht für das Saarland Gültigkeit besitzt, konkret für die Veröffentlichungen seit Dezember 2015. Mittlerweile umfasst das Angebot also immerhin zwei volle Jahrgänge, und täglich (!) kommen neue Blätter hinzu. Auch hier kann die WiSo-Ausgabe, deren SZ-Volltext bereits bis 1993 zurückreicht, mit den ihr eigenen beschriebene Einschränkungen die Lücke etwas schließen. Immerhin bieten wir im neuen SZ-Auftritt auch alle Lokalausgaben dieser Zeitung an, was in WiSo zwar auch der Fall ist, die Such-Einschränkung auf die Lokalausgaben allerdings hier nicht funktioniert,
    • gegenüber diesen – ausschließlich auf Vorgaben der Verlage zurückgehenden – Einschränkungen fällt Dorne 6, die ausschließliche Nutzung des Angebots von einem speziellen Zugangsbeschränkungen unterliegenden Rechner im Infosaal der SULB, kaum ins Gewicht. Denn diese Dorne entpuppt sich als Blüte, die Ihnen einen erneuten Besuch der Zentralbibliothek beschert, wo viele weitere Angebote auf Sie warten, die Ihnen bisher vielleicht noch verborgen geblieben sind. Oder kennen Sie unseren Landeskundlichen Lesesaal, die Gruppenarbeitsräume, die kostenlosen Scanner, den Eltern-Kind-Raum mit PC-und Spieleausstattung usw.? Kommen Sie also vorbei. Wir freuen uns auf Sie!

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Und da wir schon bei Blüten sind, nun noch einige Blumen. Sie werden mit einem herzlichen Dank überreicht an die Kolleg*innen der Deutschen Nationalbibliothek, die aufbauend auf frühen Ideen und Konzepten die fachinterne Diskussion und Abstimmung übernahmen, die anschließenden Verhandlungen mit den Zeitungsverlagen sachkundig begleiteten und letztlich ein nach Maßgabe der geltenden Einschränkungen überzeugendes technisches Zugangskonzept realisiert haben, das die Möglichkeiten einer einzelnen Landesbibliothek bei Weitem übersteigt. Verbesserungen dieses ersten Auftritts des neuen „Service Regionale Bereitstellung“ mögen zweifellos möglich und zu wünschen sein, doch ist das Erreichte definitiv als Erfolg und Verbesserung des derzeitigen analogen und lizenzierten digitalen Angebots zu bewerten. Und es kommt noch hinzu, dass die elektronische Pflichtablieferung in der von der DNB aufgebauten Struktur fraglos als nachhaltige und zukunftssichere Variante gelten kann. Aber dies interessiert in erster Linie uns Bibliothekar*innen.

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