Handreichung zum Umgang mit Forschungssoftware erschienen

9. April 2018 – 10:16 Ulrich Herb (604x aufgerufen) |

Bis vor wenigen Jahren verstand man unter Produkten wissenschaftlicher Arbeit nahezu ausnahmslos Text-Publikationen, heute hingegen betrachtet man auch Forschungsdaten und Forschungssoftware als Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit. So definiert der Kerndatensatz Forschung, ein Standard, der beschreibt, welche Angaben Forschungseinrichtungen zu ihren ForschungsaktivitĂ€ten bereithalten sollen, Software als Publikationstyp. Auch Server, die der Publikation von Forschungsdaten und -software dienen, z.B. Zenodo, weisen Daten und Software Digital Object Identifier (DOI) zu, die ursprĂŒnglich ausschließlich der Identifikation von Text-Publikationen vorbehalten waren. Besser noch: Googles Wissenschaftsableger Google Scholar ermittelt Zitationen auf publizierte Software sowie Daten und Clarivate Analytics betreibt eine eigene Datenbank zur Erfassung von Zitationen auf Forschungsdaten, den Data Citation Index.

Diese Gleichstellung von Daten, Software und Publikationen bedingt Forderungen nach Auffindbarkeit und ZugĂ€nglichkeit: Beides soll zum einen die Wiederverwendung einmal mĂŒhsam gesammelter  Daten oder programmierter Software erlauben (Re-Use), zum anderen sollen sie die ÜberprĂŒfbarkeit und Reproduzierbarkeit von Forschung erleichtern. Gerade was die Reproduzierbarkeit angeht, steht die Wissenschaft vor einem immensen Problem, das sogar einen eigenen Namen trĂ€gt, die Replication Crisis oder Reproducability Crisis. Zur Illustration: 2016 berichtete Monya Baker in einem Übersichtsartikel fĂŒr Nature, dass man von 40 % nicht-reproduzierbarer Forschung ausgehen mĂŒsse. Eine Möglichkeit, die Reproduzierbarkeit von Forschung zumindest zu erleichtern, ist das Bereitstellen von Forschungssoftware. Auch Forschungsförderer wĂŒnschen zusehends deren Bereitstellung: Wer im EU-Rahmenprogramm Horizon 2020 Förderung erfĂ€hrt, muss projektbezogene Forschungsdaten teilen und ist aufgefordert Software, die zur Auswertung der Daten benötigt wird, ebenfalls zu teilen.

Eine von der AG Wissenschaftliche Software der Schwerpunktinitiative Digitale Information der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen publizierte Handreichung beschreibt die Herausforderungen im Umgang mit Forschungssoftware und gibt Handlungsempfehlungen fĂŒr Entwickler, Nutzer und Anbieter. Die Publikation ist verfĂŒgbar unter: https://zenodo.org/record/1172970.  Weitere Informationen der Allianz-Initiative zu Forschungsdaten und Forschungssoftware finden sich unter: https://www.allianzinitiative.de/handlungsfelder/digitalewerkzeugesoftwareunddienste/.

 

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