Elektronische Lizenzzeitschriften jetzt auch im LIBERO-OPAC

12. August 2010 – 11:01 Thomas Kees (4316x aufgerufen) |

F√ľr Kurzbescheidwissenwoller

Der Saarl√§ndische Virtuelle Katalog, vulgo: LIBERO-OPAC, enth√§lt seit dem 8. August 2010 auch die 35446 kostenpflichtigen elektronischen Zeitschriften, die von der Saarl√§ndischen Univerit√§ts- und Landesbibliothek f√ľr die UdS lizenziert wurden. Die Titel der E-Journals lassen sich jetzt also auch in LIBERO finden. Die Bestandsanzeige (welche Lizenz?, welche zeitliche Abdeckung?, welche konkrete Internetzugangsadresse?) erfolgt nach wie vor in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB), die bei einem Klick auf den LIBERO-Link „Online-Ressource“ mit dem entsprechenden Titel aufgerufen wird. Die EZB bleibt nach wie vor alleiniges Nachweisinstrument der lizenzfreien („gr√ľnen“) Titel, zu denen auch die fachlich immer wertvoller werdenden Open-Access-Zeitschriften z√§hlen.

F√ľr Genauerundhintergrundwissenwoller (oder: warum hat’s so lange gedauert? oder: kleine Zeitschriftenkunde)

In den 90er Jahren des letzten Jahrtausends waren elektronische Zeitschriften etwas Exotisches. Bibliotheken abonnierten echte Papierzeitschriften, die heftweise eingestellt, irgendwann gebunden, dann in Bandform ausgeliehen wurden. Die aber nie verf√ľgbar waren, weil mal wieder jemand schneller gewesen war. Die gemahnt wurden, wenn man mal wieder die Leihfrist √ľbersehen hatte, und somit den Geldbeutel belasteten. Aber Bibliotheken und Verlage konnten gut mit Papierzeitschriften umgehen. Die Bibliotheken hatten die genaue Beschreibung (das „Regelwerk“) in ihren Katalogk√§sten und (aufkommenden) Onlinekatalogen im Griff, die Verlage belieferten √ľber Buchh√§ndler oder direkt die Bibliotheken mit dem periodisch erscheinenden Lesestoff.

Dann kam das Internet. Die ersten modern und strategisch handelnden Verlage legten ihre Zeitschriften auf einen Scanner, legten die digitale 1:1-Kopie auf einen Server und ihren Bibliothekskunden in den Pr√§sentkorb. Die ersten E-Journals gab’s n√§mlich oft kostenlos zum Abo. Kurze Zeit sp√§ter ziemlich billig dazu. Kurze Zeit sp√§ter dann teurer, aber das Papier dann billig dazu. Und vor allem immer mehr. Bis zum heutigen Tag hat sich das Verh√§ltnis Menge/Preis zwischen klassischen Papierausgaben und elektronischen Versionen nicht nur umgekehrt, sondern zu einem vollkommenen Ungleichgewicht entwickelt. Den 35446 E-Journals der SULB steht etwa noch ein Zehntel dieser Titelmenge in Print gegen√ľber, Tendenz fallend. Die Lizenzkosten f√ľr diese (h√§ufig unverzichtbaren Titel) liegen l√§ngst im hohen sechsstelligen Bereich. Bibliotheken gingen dazu √ľber, E-Journals auch in ihren etablierten Einkaufsgemeinschaften („Konsortien“) in verst√§rkten Ma√ü zu erwerben, denn der elektronische Bezug wurde von Verlagen in einer Form honoriert, der beim Papier nicht denkbar gewesen w√§re. Taten sich die Bibliotheken A, B und C bei der Lizenzierung der Zeitschriften zusammen und bildeten eine Einkaufsgemeinschaft, gab es die von den Partneruniversit√§ten lizenzierten Zeitschriften auch f√ľr die eigentlich nicht abonnierende Bibliothek im Onlinezugriff kostenlos. Bibliothek A kann also online auf die elektronischen Zeitschriften der Bibliothek B und C zugreifen („Cross Access“). Manchmal gab es auch noch ein Sahneh√§ubchen vom Verlag obenauf („Additional Access“). Auch manche Fachdatenbank „baute“ gleich den Zeitschriftenvolltext ein, den der Datenbankanbieter bei Verlagen lizenzierte. Die Onlinedatenbank aggregierte also nicht nur bibliographische Beschreibungen von Fachliteratur, sondern gleich den gesamten Inhalt des Aufsatzes („Aggregatordatenbanken“). Aus hundert wurden so schnell tausend, aus tausend zehntausend, und heute hantieren Bibliotheken mit zehntausenden von Zeitschriftentiteln.

Und die Verzeichnung? Hinkte hinterher. Zwar h√§tte man mit bibliographischem Regelwerk auch elektronische Zeitschriften sach- und fachgerecht erschlie√üen k√∂nnen, doch unterblieb dies aus verschiedenen Gr√ľnden. Vor allem, weil elektronische Ressourcen in den Bibliotheken der 90er Jahre als nettes, nicht zuverl√§ssiges Beiwerk, als Nebenkriegsschauplatz galten, als Material, das f√ľr die klassischen Bibliotheksverwaltungssysteme nicht geeignet war. Doch die normative Kraft des Faktischen siegte, denn E-Journals wurden zunehmend gut von Bibliotheksbenutzern angenommen, die ihre Vorteile (schneller, simultaner Zugriff, Volltextsuche nach Begriffen etc.) wohl erkannten. Also bildeten sich lokale Kampfinstrumente f√ľr den Nebenkriegsschauplatz, die zun√§chst als HTML-Listen, kleine Webdatenbanken usw. noch wenig imponierend ausfielen, bis sich dann mit der „Elektronischen Zeitschriftenbibliothek“ (EZB) eine (bald DFG-gef√∂rderte) Eigenentwicklung der Universit√§tsbibliothek Regensburg als so schlagkr√§ftig erwies, dass immer mehr Bibliotheken einstiegen und kooperativ ihre elektronischen Zeitschriftenbest√§nde in der EZB nachwiesen. Dies geschah in einer Form, die sich damals f√ľr diese neuen Medien anbot: quick and half-clean. Zumindest nicht auf der Grundlage des f√ľr Papierzeitschriften geltenden Regelwerks, das f√ľr alle Eventualit√§ten im Leben einer Zeitschrift einen Ausweg bereith√§lt: eine Zeitschrift kann den Titel √§ndern, sie kann mit einer anderen fusionieren, sie kann sich spalten in zwei unabh√§ngig weiter entwickelte Bl√§tter usw. Sie wechselt damit mehrfach ihre Identit√§tskennzeichen (Titel, ISSN, Verlag, Ort), muss dennoch die Kennzeichen ihres fr√ľheren Lebens, unter denen sie der Fachliteratur bekannt war, im Nachweissystem der Bibliothek beibehalten. In einer bibliothekarischen Datenbank wie der Zeitschriftendatenbank (ZDB) sind alle Erscheinungsformen dokumentiert und sauber verkn√ľpft. In der durchaus f√ľr ihre Zeit verdienstvollen EZB sind sie am Datensatz erg√§nzt. Der Titel einer EZB-Zeitschrift kann somit etwa lauten: „The smart and handsome librarian (formerly: The handsome librarian; formerly: The Librarian)“. Die in der EZB erfassten Titel waren so lange (und solange) f√ľr klassische Bibliothekskataloge unverdaulich, bis im Verlauf eines DFG-Projekts die Daten der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek und der alle Zeitschriftenbest√§nde umfassenden Zeitschriftendatenbank (aus der sich die SULB bei ihren Importen bedient) in ein auch f√ľr den LIBERO-OPAC brauchbares Format gebracht wurden. Obwohl sich die SULB an diesem Projekt als Pilotbibliothek beteiligt hat, dauerte es aufgrund notwendiger lokaler Vorkehrungen (v.a. f√ľr die Datensynchronisierung) bis zum 8. August 2010, bis endlich auch die elektronischen Lizenzzeitschriften der UdS im Katalog nachgewiesen werden konnten. Und weil es dann doch so gut geklappt hat, die Best√§nde der HTW gleich mit. Die bew√§hrte und von vielen Benutzern gesch√§tzte EZB wird damit nicht aufs Altenteil geschoben. Sie beh√§lt ihre Existenzberechtigung als Nachweisinstrument dessen, was die beiden Bibliotheken genau haben (welche Lizenz f√ľr welchen Zeitraum?). Und sie ist nach wie vor der einzige Nachweis der lizenzfreien („gr√ľnen“) Titel, zu denen auch die fachlich immer wertvoller werdenden Open-Access-Zeitschriften z√§hlen. Was lange w√§hrte, wurde also noch nicht fertig. Aber ein erster Schritt ist getan…

F√ľr alle, die bis hierher durchgehalten haben, ein kleiner Tipp: elektronische Zeitschriften lassen sich in LIBERO gezielt suchen, indem Sie in der erweiterten Suche auf den Medientyp „Online-Ressource“ einschr√§nken. Hier werden zwar auch E-Books in der Trefferliste ausgeworfen, die Suche erfolgt dennoch etwas zielgerichteter. Schr√§nken Sie dagegen nie auf den Medientyp „Zeitschriften“ ein, da die elektronischen Zeitschriften hier nicht durchsucht (und gefunden) werden.

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