Elektronische Lizenzzeitschriften jetzt auch im LIBERO-OPAC

12. August 2010 – 11:01 Thomas Kees (3952x aufgerufen) |

FĂĽr Kurzbescheidwissenwoller

Der Saarländische Virtuelle Katalog, vulgo: LIBERO-OPAC, enthält seit dem 8. August 2010 auch die 35446 kostenpflichtigen elektronischen Zeitschriften, die von der Saarländischen Univeritäts- und Landesbibliothek fĂĽr die UdS lizenziert wurden. Die Titel der E-Journals lassen sich jetzt also auch in LIBERO finden. Die Bestandsanzeige (welche Lizenz?, welche zeitliche Abdeckung?, welche konkrete Internetzugangsadresse?) erfolgt nach wie vor in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB), die bei einem Klick auf den LIBERO-Link „Online-Ressource“ mit dem entsprechenden Titel aufgerufen wird. Die EZB bleibt nach wie vor alleiniges Nachweisinstrument der lizenzfreien („grĂĽnen“) Titel, zu denen auch die fachlich immer wertvoller werdenden Open-Access-Zeitschriften zählen.

FĂĽr Genauerundhintergrundwissenwoller (oder: warum hat’s so lange gedauert? oder: kleine Zeitschriftenkunde)

In den 90er Jahren des letzten Jahrtausends waren elektronische Zeitschriften etwas Exotisches. Bibliotheken abonnierten echte Papierzeitschriften, die heftweise eingestellt, irgendwann gebunden, dann in Bandform ausgeliehen wurden. Die aber nie verfĂĽgbar waren, weil mal wieder jemand schneller gewesen war. Die gemahnt wurden, wenn man mal wieder die Leihfrist ĂĽbersehen hatte, und somit den Geldbeutel belasteten. Aber Bibliotheken und Verlage konnten gut mit Papierzeitschriften umgehen. Die Bibliotheken hatten die genaue Beschreibung (das „Regelwerk“) in ihren Katalogkästen und (aufkommenden) Onlinekatalogen im Griff, die Verlage belieferten ĂĽber Buchhändler oder direkt die Bibliotheken mit dem periodisch erscheinenden Lesestoff.

Dann kam das Internet. Die ersten modern und strategisch handelnden Verlage legten ihre Zeitschriften auf einen Scanner, legten die digitale 1:1-Kopie auf einen Server und ihren Bibliothekskunden in den Präsentkorb. Die ersten E-Journals gab’s nämlich oft kostenlos zum Abo. Kurze Zeit später ziemlich billig dazu. Kurze Zeit später dann teurer, aber das Papier dann billig dazu. Und vor allem immer mehr. Bis zum heutigen Tag hat sich das Verhältnis Menge/Preis zwischen klassischen Papierausgaben und elektronischen Versionen nicht nur umgekehrt, sondern zu einem vollkommenen Ungleichgewicht entwickelt. Den 35446 E-Journals der SULB steht etwa noch ein Zehntel dieser Titelmenge in Print gegenĂĽber, Tendenz fallend. Die Lizenzkosten fĂĽr diese (häufig unverzichtbaren Titel) liegen längst im hohen sechsstelligen Bereich. Bibliotheken gingen dazu ĂĽber, E-Journals auch in ihren etablierten Einkaufsgemeinschaften („Konsortien“) in verstärkten MaĂź zu erwerben, denn der elektronische Bezug wurde von Verlagen in einer Form honoriert, der beim Papier nicht denkbar gewesen wäre. Taten sich die Bibliotheken A, B und C bei der Lizenzierung der Zeitschriften zusammen und bildeten eine Einkaufsgemeinschaft, gab es die von den Partneruniversitäten lizenzierten Zeitschriften auch fĂĽr die eigentlich nicht abonnierende Bibliothek im Onlinezugriff kostenlos. Bibliothek A kann also online auf die elektronischen Zeitschriften der Bibliothek B und C zugreifen („Cross Access“). Manchmal gab es auch noch ein Sahnehäubchen vom Verlag obenauf („Additional Access“). Auch manche Fachdatenbank „baute“ gleich den Zeitschriftenvolltext ein, den der Datenbankanbieter bei Verlagen lizenzierte. Die Onlinedatenbank aggregierte also nicht nur bibliographische Beschreibungen von Fachliteratur, sondern gleich den gesamten Inhalt des Aufsatzes („Aggregatordatenbanken“). Aus hundert wurden so schnell tausend, aus tausend zehntausend, und heute hantieren Bibliotheken mit zehntausenden von Zeitschriftentiteln.

Und die Verzeichnung? Hinkte hinterher. Zwar hätte man mit bibliographischem Regelwerk auch elektronische Zeitschriften sach- und fachgerecht erschlieĂźen können, doch unterblieb dies aus verschiedenen GrĂĽnden. Vor allem, weil elektronische Ressourcen in den Bibliotheken der 90er Jahre als nettes, nicht zuverlässiges Beiwerk, als Nebenkriegsschauplatz galten, als Material, das fĂĽr die klassischen Bibliotheksverwaltungssysteme nicht geeignet war. Doch die normative Kraft des Faktischen siegte, denn E-Journals wurden zunehmend gut von Bibliotheksbenutzern angenommen, die ihre Vorteile (schneller, simultaner Zugriff, Volltextsuche nach Begriffen etc.) wohl erkannten. Also bildeten sich lokale Kampfinstrumente fĂĽr den Nebenkriegsschauplatz, die zunächst als HTML-Listen, kleine Webdatenbanken usw. noch wenig imponierend ausfielen, bis sich dann mit der „Elektronischen Zeitschriftenbibliothek“ (EZB) eine (bald DFG-geförderte) Eigenentwicklung der Universitätsbibliothek Regensburg als so schlagkräftig erwies, dass immer mehr Bibliotheken einstiegen und kooperativ ihre elektronischen Zeitschriftenbestände in der EZB nachwiesen. Dies geschah in einer Form, die sich damals fĂĽr diese neuen Medien anbot: quick and half-clean. Zumindest nicht auf der Grundlage des fĂĽr Papierzeitschriften geltenden Regelwerks, das fĂĽr alle Eventualitäten im Leben einer Zeitschrift einen Ausweg bereithält: eine Zeitschrift kann den Titel ändern, sie kann mit einer anderen fusionieren, sie kann sich spalten in zwei unabhängig weiter entwickelte Blätter usw. Sie wechselt damit mehrfach ihre Identitätskennzeichen (Titel, ISSN, Verlag, Ort), muss dennoch die Kennzeichen ihres frĂĽheren Lebens, unter denen sie der Fachliteratur bekannt war, im Nachweissystem der Bibliothek beibehalten. In einer bibliothekarischen Datenbank wie der Zeitschriftendatenbank (ZDB) sind alle Erscheinungsformen dokumentiert und sauber verknĂĽpft. In der durchaus fĂĽr ihre Zeit verdienstvollen EZB sind sie am Datensatz ergänzt. Der Titel einer EZB-Zeitschrift kann somit etwa lauten: „The smart and handsome librarian (formerly: The handsome librarian; formerly: The Librarian)“. Die in der EZB erfassten Titel waren so lange (und solange) fĂĽr klassische Bibliothekskataloge unverdaulich, bis im Verlauf eines DFG-Projekts die Daten der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek und der alle Zeitschriftenbestände umfassenden Zeitschriftendatenbank (aus der sich die SULB bei ihren Importen bedient) in ein auch fĂĽr den LIBERO-OPAC brauchbares Format gebracht wurden. Obwohl sich die SULB an diesem Projekt als Pilotbibliothek beteiligt hat, dauerte es aufgrund notwendiger lokaler Vorkehrungen (v.a. fĂĽr die Datensynchronisierung) bis zum 8. August 2010, bis endlich auch die elektronischen Lizenzzeitschriften der UdS im Katalog nachgewiesen werden konnten. Und weil es dann doch so gut geklappt hat, die Bestände der HTW gleich mit. Die bewährte und von vielen Benutzern geschätzte EZB wird damit nicht aufs Altenteil geschoben. Sie behält ihre Existenzberechtigung als Nachweisinstrument dessen, was die beiden Bibliotheken genau haben (welche Lizenz fĂĽr welchen Zeitraum?). Und sie ist nach wie vor der einzige Nachweis der lizenzfreien („grĂĽnen“) Titel, zu denen auch die fachlich immer wertvoller werdenden Open-Access-Zeitschriften zählen. Was lange währte, wurde also noch nicht fertig. Aber ein erster Schritt ist getan…

FĂĽr alle, die bis hierher durchgehalten haben, ein kleiner Tipp: elektronische Zeitschriften lassen sich in LIBERO gezielt suchen, indem Sie in der erweiterten Suche auf den Medientyp „Online-Ressource“ einschränken. Hier werden zwar auch E-Books in der Trefferliste ausgeworfen, die Suche erfolgt dennoch etwas zielgerichteter. Schränken Sie dagegen nie auf den Medientyp „Zeitschriften“ ein, da die elektronischen Zeitschriften hier nicht durchsucht (und gefunden) werden.

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