Kündigung der Verträge mit dem Verlag Elsevier: Informationen zur Notversorgung

21. Dezember 2017 – 10:08 Ulrich Herb (1579x aufgerufen) |
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Zum 01.01.2018 hat die Universität des Saarlandes (UdS) ihre Verträge mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier gekündigt. Nachfolgend finden Sie Wissenswertes zu den Hintergründen und zur Versorgung mit Elsevier-Literatur ab folgendem Jahr. Die Informationen sind einem Rundschreiben des Universitätspräsidiums entnommen und wurden um einen Absatz zu Open-Access-Diensten ergänzt, über die Sie gegebenenfalls auch (und sogar kostenlos) benötigte Literatur finden.

Informationen zur Kündigung der Verträge mit dem Verlag Elsevier an der Universität des Saarlandes (UdS)

Hintergründe

Das von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) koordinierte Projekt DEAL – Bundesweite Lizenzierung von Angeboten großer Wissenschaftsverlage verfolgt zwei Ziele:

(1) Zum einen strebt es an, durch landesweite Konsortien zum Bezug von Literatur großer Wissenschaftsverlage wie Elsevier, Wiley und Springer Nature Kostenersparnisse für deutsche Wissenschaftseinrichtungen zu erzielen. (2) Zum anderen will es Open Access stärken: Im Falle des Zustandekommens eines Konsortiums sollen Artikel von Wissenschaftler/inne/n an deutschen Einrichtungen in den Journalen der betroffenen Verlage im Open Access erscheinen.

Der Austausch des Projekts mit den Verlagen Wiley und Springer Nature verläuft positiv, Einigungen im Laufe des Jahres 2018 erscheinen wahrscheinlich. Weniger Fortschritte machen hingegen die Verhandlungen mit Elsevier, sowohl Open-Access-Klausel als auch Preisgestaltungen stellen Hürden dar.

Um die Verhandlungsposition DEALs gegenüber Elsevier zu stärken, kündigten bislang 183 wissenschaftliche Einrichtungen (2016 bzw. 2017)  ihre Verträge mit Elsevier, darunter zum Ende 2017 auch die UdS. Begleitet werden diese Kündigungen von einem Boykott durch namhafte Wissenschaftler/innen, die von herausgeberischen Tätigkeiten für Elsevier zurücktreten und somit ebenfalls die Verhandlungsziele des Projekts DEAL unterstützen, darunter auch Prof. Dr. Kurt Mehlhorn vom Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken.

Versorgung mit Elsevier-Literatur an der UdS ab 01.01.2018

*** Update 12.07.2018: Da die Sperrungen der Zugänge nach dem 30.6.2018 erfolgten, wurde die im Erstattungsfonds zur Verfügung stehende Summe für 2018  auf 100.000,-€ korrigiert ***

Die UdS hat ab 01.01.2018 keine Verträge mehr zum Bezug von Elsevier-Titeln; Archivrechte bestehen für 148 Zeitschriften, bei alten Jahrgängen (1907-2002) durch Nationallizenzen für ca. 1.500 Zeitschriften. An Hochschulen, die bereits für das Jahr 2017 ihre Verträge mit Elsevier kündigten, war es teils trotz des vertragslosen Zustandes weiter möglich, Elsevier-Inhalte zu lesen oder herunterzuladen. Vor Inanspruchnahme der im Folgenden beschriebenen Not-Versorgung empfiehlt es sich daher zu prüfen, ob die erwünschten Informationen an der UdS nicht doch noch wie bisher direkt von Elsevier erhältlich sind.

Für Bestellungen von Dokumenten aus dem Angebot Elseviers, die an der UdS nicht mehr verfügbar sind, steht für das Jahr 2018 universitätsweit ein Fonds von 200.000 €  100.000 € bereit. Erstattungsfähige Bestellungen können nur durch Wissenschaftler/innen per Fernleihe (Kosten 1,50 €) erfolgen, alternativ in eiligen Fällen über den Dokument-Lieferdienst Subito. Dort kosten Bestellungen in der Nutzergruppe 1b (Hochschulangehörige) 7,50 €, als Eilbestellung zzgl. 4,50 €. Subito liefert allerdings derzeit Elsevier-Titel nur per Post oder Fax und nicht elektronisch an Hochschulangehörige.

Die Erstattung der Auslagen erfolgt Ende 2018 direkt durch die Verwaltung der UdS im Wege eines Verteilungsschlüssels, der allen nutzenden Lehrstühlen/Arbeitsgruppen in gleicher Weise zugutekommt, d.h. die max. 200.000  100.000 € werden anteilig der pro Einheit beglichenen Rechnungen ausgeschüttet werden. Zu jeder Bestellung sollte daher ein Beleg aufbewahrt werden, aus dem hervorgeht, dass es sich um ein Dokument aus dem Elsevier-Angebot handelt: Bei Subito-Bestellungen gehen Nutzern derartige Belege zu, zu jeder Fernleihbestellung sollte die Bestellnummer aufbewahrt werden. Die Abrechnung erfolgt am Ende des Jahres unter Nutzung eines dann bereitgestellten Formulars, dem Subito-Rechnungen und die Bestellnummern der Fernleihen beigelegt werden müssen.

Die Versorgung mit Elsevier-Titeln ist demnach auch 2018 gesichert. Daher bittet die UdS ihre Angehörigen dringend, von Massendownloads von Elsevier-Dokumenten abzusehen, da diese einen Verstoß gegen die vertraglichen Abmachungen mit dem Verlag darstellen.

Die UdS wird in der Summe nicht mehr als 200.000  100.000 € erstatten und bittet alle Angehörigen, nach Möglichkeit preisgünstige Bestelloptionen zu bevorzugen. Dies gilt auch für Subito: Da Eilbestellungen allenfalls geringfügig schneller als andere Bestellungen zugestellt werden (insbesondere beim Fax-Versand), sollte der Verzicht auf den Eilzuschlag erwogen werden.

Open-Access-Dienste als alternative Bezugsquellen

Vor knapp einem Jahr stellten wir Open-Access-Dienste als Ersatz für Fernleihen oder Dokumentlieferdienste vor. Einige davon seien an dieser Stelle nochmals genannt:

  • BASE, https://www.base-search.net/, ist eine Open-Access-Suchmaschine der Universität Bielefeld und weist Open-Access-Dokumente aus Journalen und Repositorien nach. Da BASE nicht ausschließlich Open-Access-Inhalte nachweist, sollte man die Suchoptionen so anpassen, dass – soweit möglich – nur Open-Access-Dokumente als Ergebnisse angezeigt werden.
  • Google Scholar, https://scholar.google.com/,  kennzeichnet Open-Access-Texte in der Regel durch den Hinweis [PDF] oder [HTML] in der Ergebnisliste. Besonders die Markierung [HTML] kann leider trügerisch sein, da unter Umständen nur Teile eines Werks, z.B. eines Buches in Google Books, einsehbar sind.
  • Das Browser-Plugin unpaywall.org (verfügbar für die Browser Firefox und Chrome) weist Internetnutzer, die beim Recherchieren auf eine wissenschaftliche Publikation stoßen, zu der ihre Einrichtung keinen Zugang hat, automatisch auf verfügbare Open-Access-Versionen hin.
  • Auch das Plugin Kopernio (ebenfalls verfügbar für die Browser Firefox und Chrome) untersützt die Suche nach Open-Access-Dokumenten. Für zahlungspflichtige Artikel, die Sie in Ihrem Browser aufrufen und auf die Sie keinen Zugriff haben, sucht Kopernio eine alternative Version, z.B. einen Preprint und eine andere Fassung , die Open Access genutzt werden kann. Anders als unpaywall erfordert die Nutzung Kopernios eine Registrierung.
  • Ein weiteres Hilfsmittel zur Suche nach Open-Access-Version von wissenschaftlichen Publikationen ist der Open-Access-Button: Er kann sowohl wie eine Suchmaschine als auch als Browser-Plugin genutzt werden. Existiert noch keine Open-Access-Fassung eines publizierten Inhaltes, können Plugin-Nutzer mit Klick auf den Button eine E-Mail an den Autoren der Publikation versenden und um die Bereitstellung einer Open-Access-Version bitten. Die Nutzung des Plugins verlangt eine Registrierung.
  • Ebenfalls eine nützliche Quelle ist das Wissensportal der SULB, in dem Sie Ihre Suchergebnisse auf „Volltext (Online)“ einschränken können. Es beinhaltet sowohl eine Fülle von Open-Access-Materialien als auch Lizenzinhalte. Kennt das Wissensportal einen Volltext nicht, hilft möglicherweise ein Klick auf den Button „Volltext verfügbar?“, er löst eine Recherche zu Open-Access-Versionen nicht lizenzierter Inhalte aus.

Ansprechpartner:

Campus Saarbrücken
zu DEAL:
Dr. Ulrich Herb
Tel. : 0681 / 302-2798
u.herb@sulb.uni-saarland.de

zu Fernleihen/Subito:
Christiane Speicher
Tel.: 0681 / 302-3074
c.speicher@sulb.uni-saarland.de

Campus Homburg
SULB/Med. Abteilung
Tel.: 06841 / 16-26008
madok@sulb.uni-saarland.de

 

 

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