„Open Access zwischen Fakes und Fakten“ – Informationsveranstaltung an der Universität des Saarlandes

17. Oktober 2018 – 15:45 Ulrich Herb (491x aufgerufen) |

„Tausende Forscher publizieren in Pseudo-Journalen“ titelte die Süddeutsche Zeitung (SZ)  im Juli diesen Jahres und weckte Ängste um die Vertrauenswürdigkeit wissenschaftlicher Journale. Ein Recherche-Verbund aus Norddeutschem Rundfunk NDR, Westdeutschem Rundfunk WDR, dem SZ-Magazin sowie weiteren nationalen und internationalen Medien berichtete im Sommer intensiv über Veröffentlichungen in sogenannten Fake Journals oder Predatory Journals, die gegen Zahlung einer Gebühr ungeprüft jede Einreichung publizieren und so das Vertrauen in die Wissenschaft unterminieren. Unter den Opfern dieser Masche waren, wie auch der Saarländische Rundfunk berichtete, unter anderem Mitglieder der Universität des Saarlandes (UdS), die 30 Artikel in solchen Zeitschriften publizierten. Obwohl weder das Publizieren gegen Zahlung, noch die fehlende Qualitätsprüfung ein gänzlich neues Phänomen im wissenschaftlichen Publizieren sind, nimmt die Zahl dieser Publikationen zu. Eine Ursache ist, dass das Zahlen von Gebühren für die Veröffentlichung von Journalartikeln vor allem durch Open Access in der Wissenschaftswelt einschlägig wurde. Anlass genug, die Beziehung zwischen Fake Journals, Open Access und seiner Finanzierung anlässlich einer am 06.11.2018 stattfindenden Informationsveranstaltung zu Open Access an der UdS zu diskutieren und hilfreiche Angebote im Umgang mit Fake Journals und zu deren Erkennen vorzustellen.

Die Diskussion um unseriöse und minderwertige Open-Access-Journale ruft üblicherweise traditionelle kommerzielle Verlage auf den Plan, die die Verunsicherung nutzen, um die Seriosität eigener Publikationen und Open-Access-Angebote herauszustreichen. Dieser Reflex blieb jedoch in der Sommer-Debatte um Fake Journals aus, was daran liegen mag, dass sich die Branchenriesen Elsevier, SpringerNature und Wiley in Sachen Open Access derzeit in komplexen und stockenden Verhandlungen mit dem Projekt DEAL befinden. DEAL koordiniert einen von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) initiierten Boykott des Verlags Elsevier, dem sich auch die UdS anschloss und ihre Verträge zum Bezug von Elsevier-Publikationen zum 01.01.2018 kündigte. Ziel des Projekts ist zum einen eine Reduktion der Kosten für den Erwerb wissenschaftlicher Publikationen, zum anderen sollen Artikel aus deutschen Forschungseinrichtungen Open Access verfügbar sein. Die Verhandlungen, die mit den gleichen Zielen aktuell auch mit SpringerNature und Wiley geführt werden, stagnieren. Berichten zufolge tun sich die Verlage insbesondere mit den geforderten Open-Access-Klauseln schwer. Auch diese Note der Open-Access-Diskussion, der Versuch einer großflächigen Transformation von Closed Access zu Open Access und die damit verbundenen Komplikation – bis auf Ebene der UdS – werden Thema der Veranstaltung sein.

Der breiteste Raum innerhalb der halbtägigen Veranstaltung wird jedoch Perspektiven aus der Wissenschaft eingeräumt. Gleich drei Vorträge von UdS-Wissenschaftler_innen unterschiedlicher Fächer schildern praktische Erfahrungen beim Publizieren im Open Access, besonders im Vergleich zum Closed Access: Sandra Duhem als Geschäftsführerin des Frankreichzentrums berichtet zum Thema „Aus Print wird Open Access – ein Erlebnis im Windhundverfahren“, Dr. Ekaterina Lapshinova-Koltunski aus der Übersetzungswissenschaft zieht eine Bilanz zum Thema „Open oder Closed? Erfahrungen im Publizieren bei Verlagen im Inland und Ausland“ und Prof. Dr. Holger Hermanns, Informatik, schildert seine Erfahrungen und Einschätzungen zu „Open-Access-Konferenzen – Beobachtungen aus der Informatik“.

 

Hier das Programm:

  • Prof. Bernd Hagenau, Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek SULB (10:30)
    Zwei Jahre DEAL – der Zwischenstand
  • Dr. Ulrich Herb, SULB (11:00)
    Fake Journals & Predatory Publishing
  • Sandra Duhem, Frankreichzentrum (11:30)
    Aus Print wird Open Access – ein Erlebnis im Windhundverfahren
  • Dr. Ekaterina Lapshinova-Koltunski, Übersetzungswissenschaft (12:00)
    Open oder Closed? Erfahrungen im Publizieren bei Verlagen im Inland und Ausland
  • Prof. Holger Hermanns, Informatik (12:30)
    Open-Access-Konferenzen – Beobachtungen aus der Informatik

… und die Daten zur Veranstaltung:

  • Veranstaltungsdatum ist der 06.11.2018 von 10:30 bis circa 13:00 Uhr.
  • Veranstaltungsort ist das Gebäude C9 3 der Universität des Saarlandes.
  • Veranstalterin ist die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, die um eine formlose und nicht-verpflichtende Anmeldung bittet.
  • Ansprechpartner für Anmeldungen und Fragen zur Veranstaltung sind Dr. Ulrich Herb (Telefon 0681 302 2798, Email: u.herb@sulb.uni-saarland.de) oder Frau Verena Wohlleben (Telefon 0681 302 58024, Email: v.wohlleben@sulb.uni-saarland.de).
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