Neues Fernleihportal in Betrieb

18. Oktober 2018 – 12:10 Thomas Kees (598x aufgerufen) |

Eine der klassischen Aufgaben der SULB als der universitären Zentralbibliothek besteht in der Umsetzung der bibliothekarischen Fernleihe. Trotz des massiven Bestandsaufbaus elektronischer Medien in Paketform und zunehmender alternierender Zugänge zu freien Informationsmitteln werden jährlich noch immer ca. 15.000 Bestellungen auf Bücher oder Zeitschriftenartikel von Benutzerinnen und Benutzern der SULB aufgegeben. Ebenso viele Medien gehen auf die Reise, mal als Buch, mal als gescannter Aufsatz, der aber in der anfordernden Bibliothek wiederum ausgedruckt werden und den dortigen Lesern in Papierform ausgehändigt werden muss. Denn obwohl es sich bei der bibliothekarischen Fernleihe um hochgradig automatisierte, technisierte und digitalisierte Geschäftsgänge, oder, um hier entsprechend modern zu formulieren, „Workflows“ handelt, steht am Ende die Papierform, da die nach klassischen urheberrechtlichen Ausnahmebestimmungen legitimierte Fernleihe nach Vorgabe der Verlage nicht an das Leistungsspektrum heranreichen darf, das in deren digitalem Geschäft längst an der Tagesordung ist.

Dennoch handelt es sich bei der Fernleihe um eine sehr moderne Bibliotheksdienstleistung mit heutzutage teilweise erstaunlich kurzen Lieferzeiten. Dem Verfasser dieses Beitrags wurde unlängst eine morgens aufgegebene Fernleihaufsatzbestellung bereits am Nachmittag durch die Kollegen ausgehändigt. Auch wenn dies nicht die Regel ist, zeigt dieses Beispiel doch, dass es sich hier um eine zeitgemäße state-of-the-art-Dienstleistung handelt.

Gar nicht mehr state-of-the-art war dagegen das seit Jahren, beinahe Jahrzehnten eingesetzte Suchportal des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes, das am Anfang jeder Bestellung steht. Da sich die bibliothekarische Welt in sechs verschiedene Verbünde teilt, wurden in dieser Rechercheplattform zwar alle Buch- und Zeitschriftenbestände Deutschlands präsentiert, leider aber in redundanter Form. Bücher mit hohem Verbreitungsgrad erschienen so bis zu sechsmal in der Anzeige, was immer wieder zu Unsicherheit und Ratlosigkeit führte. Überhaupt wirkte diese in der Software „Elektra“ umgesetzte Suchoberfläche mittlerweile so altbacken, dass eine Ablösung dringend geboten war. Sie ist nun erfolgt, und seit heute steht den Benutzerinnen und Benutzern eine recht innovative Rechercheplattform in Suchmaschinentechnologie und Facettierung (= nachträgliche Eingrenzung der Suchergebnisse nach gewissen Kriterien mit einem Klick) zur Verfügung. Die Kollegen des Südwestverbundes haben sich bemüht, die Tücken der divergenten Daten weitgehend zu glätten, Medien zusammen zu fassen und eine weitgehend intuitiv zu nutzende Software zur Verfügung zu stellen.

Trivial ist die Suche, v.a. aber die Analyse der Suchergebnisse weiterhin nicht, aber dies ist weitgehend der mitunter komplizierten Verzeichnung bibliographischer Werke in unterschiedlichsten Datenbeständen geschuldet. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass unsere Bibliotheksbenutzer sehr selbständig und problemlos mit der neuen Oberfläche werden umgehen können. Falls nicht, hilft immer die Auskunft der SULB. Und Menschen, die sich nicht gerne abrupt umstellen, kommen wir mit der Entscheidung entgegen, für einen Übergangszeitraum bis ca. Ende des Jahres 2018 beide Systeme nach eigenem Gusto zu verwenden. Die SULB wird also einen Parallelbetrieb anbieten und das neue System in einem quasi Echteinsatz testen. Hier sind wir sehr dankbar für Rückmeldungen, Resonanz, Kritik, Anregungen, Fehlermeldungen usw., die Sie hier am Ende des Beitrags hinterlassen (oh ja, man kann Blogbeiträge kommentieren) oder uns an die oben genannte E-Mail-Adresse übermitteln.

Anfang des Jahres wird dann Elektra Geschichte sein und es geht allein mit dem neuen Fernleihsuchsystem, das auf den Namen Boss hört, weiter. Die Namensgebung soll an dieser Stelle nicht kommentiert werden. Bevor sich aber falsche Assoziationen festsetzen: hier geht es weder um Hugo noch um Leitungsgorillas alter Art, sondern um die BSZ One Stop Search.

Und zur Startseite der Online-Fernleihe gelangen Sie hier.

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